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Kohlmarkt 14 – Der Temel: Zuckerfiguren, Kaiserschmarrn und die Lucona-Affäre

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Kaum ein Haus am Kohlmarkt hat so viele Kapitel Wiener Geschichte gesehen wie die Konditorei, die bis heute schlicht „der Temel“ genannt wird. Gegründet wurde sie von einem aus Deutschland stammenden dänischen Konditor, der vor allem für sein Eis und seine Parfaits berühmt war und mit dem Geschäft so reich wurde, dass er sich – der Überlieferung nach – den heutigen Dänenpark im 14. Bezirk kaufen konnte.

Ende des 19. Jahrhunderts übernahm sein langjähriger Angestellter Christoph Temel das Geschäft und übersiedelte es auf den Kohlmarkt, als rund um den Michaelerplatz umgebaut wurde. Temel erhielt den Titel k.u.k. Hofzuckerbäckermeister und machte sich vor allem mit seinen Mehlspeisen und den von Kaiserin Elisabeth so geliebten kandierten Veilchen einen Namen.

Anfang des 20. Jahrhunderts führte eine Chefin namens Anna Temel das Haus – ganz wie die berühmtere „Sacherin“ nebenan am Graben. Ihre Nichte Clara übernahm später das Geschäft und heiratete den (mutmaßlich homosexuellen, aus praktischen Gründen verheirateten) Künstler Federico Pallavicini, der zuvor in New York für Elizabeth Arden und Helena Rubinstein gearbeitet hatte. Pallavicini gestaltete ursprünglich nur die Verpackungen für Pralinen und Torten – erfand aber dabei die kunstvollen Zuckerfiguren, die bis heute im kleinen Museum im Keller des Hauses zu besichtigen sind.

1973 kaufte der Unternehmer Udo Proksch den Temel und richtete im ersten Stock einen Herrenclub der SPÖ ein, den „Club 45“. Bis zur sogenannten Lucona-Affäre – nachzulesen etwa im Buch von Hans Pretterebner – gehörte ihm das Haus. Proksch wurde verurteilt und starb im Gefängnis; der Temel wechselte danach mehrfach den Besitzer, ehe er schließlich beim Cateringunternehmen Do & Co landete.

Dass heute lange Touristenschlangen vor der Tür stehen, hat übrigens einen vergleichsweise jungen Grund: Während der Coronapandemie führte der Temel als einer der Ersten ein raffiniertes Einbahnsystem durchs Lokal ein, bei dem man live zusehen konnte, wie der hauseigene Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster zubereitet wurde – und dieses Ritual ist bis heute geblieben.